K e p l e r – G e s e l l s c h a f t e. V. W e i l d e r S t a d t
für Schüler
und Erwachsene“
für
Projektphase 01.01. – 30.06.2003
1. Einführung (Manfred Fischer)
2. Praktikum für Schüler der Astronomie-AG (Ernst Kühn, Hildrun Bäzner-Zehender)
3. Astronomische Lehrveranstaltungen und Beobachtungen mit Schülern
(Hildrun Bäzner-Zehender)
4. Mondbeobachtungen (André Nikolai)
5. Planetenbeobachtungen (André Nikolai)
5.1 Jupiter-Opposition
5.2 Saturn
5.3 Mars
6. Sternbeobachtungen mit der Öffentlichkeit (André Nikolai)
7. Vortragsveranstaltungen für die Öffentlichkeit (Manfred Fischer)
8. Zusammenfassung und Ausblick (Manfred Fischer)
Vorsitzender:
Prof. Dr. Manfred Fischer, Schillerstraße 25, 71263 Weil der Stadt
Telefon
(07033) 7318, Fax (07033) 690 614, e-mail: m.i.fischer@t-online.de
Geschäftsstelle:
71263 Weil der Stadt, Rathaus, Postfach 1120, Telefon (07033) 521 131
Bankkonto:
Vereinigte Volksbank AG, Weil der Stadt, Kto. Nr. 41 276 000, BLZ 603 900 00
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1. Einführung
Im Rahmen und gefördert von „PUSH Baden-Württemberg, Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft“ führt die Kepler-Gesellschafte.V., Sitz Weil der Stadt, das PUSH-Projekt
„Johannes-Kepler-Sternwarte (JKS) – Praktische Astronomie und Astrophysik für Schüler und Erwachsene“
durch.
Das Projekt hat eine beantragte Laufzeit von einem Jahr.
Projektbeginn war der 01. Januar 2003.
Die Projekt – Ziele und – Aufgaben konzentrieren sich auf
die Aus- und Weiterbildung sowie auf das aktive Mitwirken von Schülern,
Jugendlichen und Erwachsenen auf einem faszinierenden, wichtigen und
zukunftsträchtigen Gebiet der Naturwissenschaft und Technik. Im Mittelpunkt
steht die praktische und lebensnahe Vermittlung von Wissenschaft und modernster
Technik.
Zur Sicherstellung einer qualifizierten Projektarbeit hat
die Kepler-Gesellschaft eine Arbeitsgruppe von erfahrenen Amateurastronomen und
PhysiklehrerInnen eingerichtet, die sämtliche
Projektaufgaben ehrenamtlich durchführt. Es handelt sich bei
den Personalkosten daher – wie im Projektantrag dargelegt – um eingesparte Personalkosten.
Im Berichtszeitraum konzentrierten sich die Projektarbeiten
aus aktuellen astronomischen Anlässen auf die
-
Konstruktion
und Darstellung der Marsbahn und der Marsschleifen mit Hilfe der
Computersimulation,
-
Mars-,
Jupiter- und Saturn-Beobachtungen mit dem Teleskop,
-
Verfolgung
des Merkur-Transits an verschiedenen Teleskopen,
-
Mondbeobachtungen
während der Mondfinsternis,
-
Sonnenbeobachtungen
einschließlich der partiellen Sonnenfinstenis und
-
dieVorbereitung eines astronomisch geprägten Kinderferienprogramms.
Außerdem wurden Sternbeobachtungen und astronomische
Vortragsveranstaltungen für die Öffentlichkeit durchgeführt.
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2. Praktikum für Schüler der
Astronomie-AG
Die Kepler-Gesellschaft e.V. hat das Kepler-Museum im Geburtshaus Keplers in den Jahren 1998/99 erweitert, nach neuesten museums-didaktischen Prinzipien modernisiert und am 11. August 1999, dem Tag der totalen Sonnenfinsternis, feierlich wieder eröffnet. Nach diesem Projekt hat die Gesellschaft mit dem Bau und Betrieb der Johannes-Kepler-Sternwarte (JKS) in Weil der Stadt ein weiteres großes Kepler-Projekt realisiert. Beides, das Museum und die neue Sternwarte auf dem Dach des Johannes-Kepler-Gymnasiums, wenden sich in besonderem Maße an die junge Generation mit dem Ziel, das Interesse an dem großen Astronomen und Mathematiker und an der Astronomie/Astrophysik zu wecken und zu vertiefen.
Die Astronomie-AG des Kepler-Gymnasiums hat sich dabei die Aufgabe gestellt, Keplers Planetengesetze aus seinem grundlegenden Werk Astronomia Nova (1609) heraus kennenzulernen und - so weit wie möglich - Keplers schwierigen Entdeckungsweg nachzuvollziehen. Konkret: Die Planfigur Keplers aus der Astronomia Nova, siehe Bild 2.1, im Detail zu verstehen.
Dazu bedarf es erheblicher Vorarbeit mit den Schülern. Die kepler‘schen Gesetze erfreuen sich heute zwar einer weltweiten Verbreitung. Viele können sie in korrektem Wortlaut zitieren, aber sie mit eigenen Worten zu interpretieren fällt Vielen bereits schwer. Ganz schwierig wird es für Schüler, wenn es darum geht, die Dinge quantitativ, d.h. mathematisch zu fassen. Dies ist aber unerläßlich, wenn man den subtilen Details, in denen das eigentlich Interessante steckt, in korrekter Weise nachspüren möchte. Es ist daher eine Herausforderung an Erwachsene, Schülern und Jugendlichen hierbei Hilfestellung zu geben.
Dazu müssen die Fähigkeiten der Schüler im Umgang mit Computern (PC) aktiviert und zunächst gemeinsam die notwendigen Grundlagen erarbeitet werden.
Als ein sehr brauchbares Bindeglied erwies sich dabei die moderne computer-formalisierte Mathematik. Mit dem Computerprogramm MAPLE konnten sehr brauchbare Zugänge erarbeitet werden, so daß die Schüler der Astronomie-AG frühzeitig etwas Konkretes entwickeln konnten, auch wenn das eigentliche physikalische Verständnis noch bevorstand.
Der bisherige Ablauf des Praktikums läßt sich wie folgt zusammenfassen:
a. Eine
von der NASA in Umlauf gebrachte Aufgabe:
Gegeben sind 48 Koordinatenpaare {x, y} des Mondsatelliten Explorer 35 (1967),
jeweils in ¼ Stunde Abstand. Die Bahn soll gezeichnet und interpretiert werden.
Anhand dieser Aufgabe lassen sich bereits die ersten Schritte in MAPLE sehr schön
vermitteln. Den Gestaltungsideen der AG wurde freier Lauf gelassen und die
Hilfestellungen
des MAPLE-Programms genutzt. Ein Zwischenergebnis
zeigt Bild 2.2.
b. Für
die Darstellung von Planeten-Bahnen und -Bewegungen ist der Umgang mit Winkeln
und Abständen (Polarkoordinaten) unerläßlich. Wie bereits für Kepler gehören
die trigonometrischen Funktionen (sin, cos, tan) ganz natürlich dazu.
Die AG hat sich darin geübt durch „Peilungen“ an einem Landkartenausschnitt mit
dem Kepler-Museum (der Arbeitsplatz der
AG) im Zentrum.
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c. Die
Formulierung des zweiten und ersten Kepler‘schen
Gesetzes mittels des Kepler‘schen Mittelpunktswinkels
(„anomalia ex centro“, <mna in Bild 2.1)
wurde in MAPLE-Notierung gebracht und mit Hilfe von
MAPLE wurden Bilder gezeichnet.
Keplers Zeit-Winkel „anomalia media“ lernte die AG
kennen und bewundern. Die mit seiner Hilfe definierte „Kepler‘sche
Gleichung“ wurden numerisch umgekehrt. Dies alles versetzt die Astronomie-AG
nun in die Lage, komplette Kepler-Planeten-Bewegungen zeitproportional am
Bildschirm ablaufen zu lassen.
d. Die im August 2003 bevorstehende Mars-Opposition (mit geringster Annäherung seit Jahrtausenden) gibt Gelegenheit für eine doppelte Anwendung des Gelernten. Die mit der Opposition verbundene, von der Erde aus sichtbare (geozentrische) Schleifenbildung,
(Bild 2.3) erklärt sich aus dem Zusammenspiel der beiden heliozentrischen
Ellipsenbahnen von Mars und Erde (Bild 2.4, Bild 2.5). Da zeitproportional programmiert
wurde, können alle Details schrittweise nachvollzogen werden, einschließlich der
Änderungen in der scheinbaren Größe des Marskörpers. Den automatischen Ablauf am
Bildschirm zu
beobachten ist faszinierend und motivierend für alle.
Als weitere Themen sind angedacht:
- In den Himmelsausschnitt um die Ekliptik herum (Bilder 2.3 bis 2.5) einige dominante
Fixsterne winkelrichtig eintragen, um mit den Sternkatalogen vertraut zu werden.
- Doppelsternsysteme mit einstellbaren Massenverhältnissen in MAPLE mit zeitrichtigen Abläufen.
- Die in Keplers Figur (Bild 2.1) enthaltenen Vorstufen der späteren Kepler-Bewegung
identifizieren, mit MAPLE zeitrichtig zum Laufen bringen, und die Schwierigkeiten
erfahren, mit denen Kepler zu kämpfen hatte.
- Die Auseinandersetzung mit Keplers - überholten, aber interessanten – Überlegungen, daß „magnetische Antriebskräfte“ auf die Planeten einwirken und Analyse mit MAPLE.
Es ist geplant, daß Ergebnisse der Praktikums-Arbeit der Schüler in der Astronomie-AG Eingang finden in die Computer-Simulationen im Kepler-Museum, die zum vertieften Verständnis der Besucher dort gezeigt werden.
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Bild 2.1:
Originalfigur aus Keplers
Werk „Astronomia Nova“ (1609).
Anhand dieser Figur und mit (mühsamer aber
lohnender) Arbeit an Keplers Text, läßt sich der mühsame Weg nachvollziehen,
auf dem Kepler von der anfänglichen Kreisbahn (volle Linie, laufender Punkt k)
zur Ellipsenbahn (gestrichelte Linie, laufender Punkt m) gelangt ist. Der Punkt
n markiert den Sonnenort.
(Erstes
Keplersches Planetengesetz).

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6
–

Bild 2.2:
Auch ein Mondsatellit
(hier Explorer 35 (1967)) bewegt sich auf einer Kepler-Ellipse.
Bild erstellt aus vorgegebenen Bahnpunkten:
Rote Punkte: Ort des Satelliten. Gelb: Mondkörper (maßstäblich).
(Erstes und zweites
Kepler’sches Planetengesetz)
Mit MAPLE läuft die Bewegung zeitproportional ab (roter Radiusvektor).
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Bild 2.3:
Scheinbare Bewegung der
Sonne (gelb) entlang der Ekliptik cyan) und des Mars
(rot) um die Ekliptik herum.
Schematisch,
auf die Bildschirmebene projiziert.
Mit
MAPLE läuft die Bewegung zeitproportional ab.

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Bild 2.4:
Heliozentrische Bewegung des
Mars (rot) und der Erde (blau).
Blickrichtung
(cyan) von der bewegten Erde über den Mars zum
Fixsternhimmel (hellblau) eingezeichnet. Schematisch angedeutet: Wegen der
(geringen) Neigung der Marsbahnebene gegenüber der Erdbahnebene erscheint der
Mars teils „unterhalb", teils "oberhalb" der Ekliptik (cyan).
Mit MAPLE läuft die Bewegung zeitproportional ab.

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Bild 2.5:
Geozentrische Bewegung des
Mars.
Dazu
(schematisch) die scheinbaren Bewegungen um die Ekliptik herum; Erklärung für
Bild 2.3!
Mit
MAPLE läuft die Bewegung zeitproportional ab.

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3.
Astronomische Lehrveranstaltungen und Beobachtungen mit Schülern
3.1.
Tag der Astronomie am Johannes-Kepler-Gymnasium am 7. Mai 2003
Aus Anlaß des Merkurtransits am 7. Mai 2003 fand am
Johannes-Kepler-Gymnasium Weil der Stadt in Zusammenarbeit mit den Amateurastronomen
der Johannes-Kepler-Sternwarte (JKS) ein Tag der Astronomie statt.
Das Ziel dieser Veranstaltung war es, möglichst vielen
Schülerinnen und Schülern sowie Interessierten aus der Bevölkerung den selten
beobachtbaren Transit des Merkur vor der Sonnenscheibe zu zeigen und zu
erklären, was dabei vor sich geht. Außerdem wurde eine Vorschau auf die am 16.
Mai 2003 stattfindende Mondfinsternis und die am 30. Mai 2003 folgende
partielle Sonnenfinsternis gegeben.
Die Teilnehmer der Arbeitsgemeinschaft Astronomie des
Gymnasiums bereiteten dafür Wandzeitungen vor, auf denen die wichtigsten
Informationen zum Merkurtransit sowie der Sonnen- und Mondfinsternis mit Bild
und Text dargestellt waren. Sie bauten die Ausstellung vor den Physiksälen auf
und betreuten sie zusammen mit den Amateurastronomen der JKS.
Die Schülerinnen und Schüler des Grundkurses Astronomie
stellten in Gruppenarbeit eine Präsentation auf dem Computer zu den gleichen
Themen zusammen.
Die Amateurastronomen der JKS richteten die Teleskope der
Sternwarte auf die Sonne, um das seltene Ereignis zum einen mit Hilfe einer Video-CCD-Kamera in den Physiksaal zu übertragen, zum
anderen um es mit einer Philips-Webcam aufzunehmen.
Außerdem standen kleinere Fernrohre für die Beobachtung des Merkurtransits zur
Verfügung, so daß jeder mit eigenen Augen verfolgen konnte, wie die kleine
Scheibe des Merkur vor der Sonne vorbeizog.
Während des Vormittags des 7. Mai konnten nun Klassen die
Ausstellung und die Sternwarte besuchen. Im Physiksaal konnte am Bildschirm das
Ereignis verfolgt werden, wie es oben auf der Sternwarte aufgenommen wurde. Für
den Fall schlechten Wetters vor Ort, lief außerdem eine Live-Übertragung des
Merkurtransits aus dem Internet.
Die Schülerinnen und Schüler, die am 7. Mai die Veranstaltung
besuchten, bekamen einen Fragebogen in die Hand, womit sie auf die wichtigsten
Fakten aufmerksam gemacht wurden. Der Fragebogen stellte eine wichtige
Orientierungshilfe dar. Die Fragen stammten zum großen Teil von den Mitgliedern
der Arbeitsgemeinschaft Astronomie des Gymnasiums.
Da zu Beginn des Transits Wolken die Sonne verdeckten, war
es sehr hilfreich, daß wenigstens
Live-Bilder aus dem Internet betrachtet werden konnten. Später verzogen sich
die Wolken auch vor Ort, so daß die eigene Video-Übertragung in den Physiksaal
und eigene Beobachtung durch die JKS-Teleskope
möglich waren. Besonders spannend war der Austritt des Merkur aus der
Sonnenscheibe.
Insgesamt besuchten über 300 Schülerinnen und Schüler die
Veranstaltung und beantworteten eifrig die im Fragebogen gestellten Fragen. Das
Interesse der Besucher war groß. So kamen engagierte Diskussionen über das
Gebotene in Gang und viele Zusatzfragen wurden gestellt.

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Merkur vor der
Sonnenscheibe:

Merkur
kurz vor dem Austrittskontakt
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3.2 Sonnenbeobachtung mit Schülerinnen und
Schülern
Seit Februar 2003 finden regelmäßig bei gutem Wetter
dienstags von 12.50 bis 13.30 Uhr Sonnenbeobachtungen auf der JKS statt.
Teilnehmen können Schülerinnen und Schüler der Arbeitsgemeinschaft Astronomie
und des Grundkurses Astronomie des Gymnasiums. Manchmal schauen auch andere
Schüler vorbei.
Dabei geht es zum einen darum, wie man sicher und gefahrlos
die Sonne beobachten kann, zum anderen um die Einübung des Umgangs mit den
Geräten der Sternwarte und drittens um Beobachtungen.
Es werden die Sonnenfleckenrelativzahl bestimmt und die
Flecken klassifiziert. Die Sonne mit ihren Flecken wird gezeichnet.
Seit der Protuberanzenansatz zur
Verfügung steht, kommt die Beobachtung von Protuberanzen dazu. Auch diese
werden zeichnerisch festgehalten.

Sonnenflecken
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Protuberanzen
3.3 Partielle
Sonnenfinsternis am 31. Mai 2003
In den frühen Morgenstunden des 31. Mai ereignete sich die
erste Sonnenfinsternis des Jahres 2003. Von Grönland über Island bis an die
Küste Schottlands war bei sehr tiefem Sonnenstand eine ringförmige
Sonnenfinsternis zu beobachten.
Der Mond befand sich zu diesem Zeitpunkt in der erdfernsten
Teilen seiner Bahn, weshalb es nicht zu einer totalen Sonnenfinsternis mit
einer vollständigen Bedeckung der Sonnenscheibe kommen konnte. Abgesehen von
der Iberischen Halbinsel war diese Sonnenfinsternis im übrigen Europa als
partielle Sonnenfinsternis zu beobachten.
In Deutschland wurde das Maximum der Verfinsterung in der
Zeit um etwa 5:30 erreicht. Die Finsternis endete eine Stunde später.
Auf der JKS warteten in der frühen Morgenstunde Schüler und
Erwachsene, um den Aufgang der teilweise verfinsterten Sonne mit mehreren
Teleskopen zu beobachten und zu fotografieren. Allerdings war dies wegen
Bewölkung nur kurzzeitig möglich.
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4. Mondbeobachtungen
Der Mond ist immer wieder ein
faszinierendes Beobachtungsobjekt, kann doch auch der ungeübte Anfänger schon
Einzelheiten im Fernrohr erkennen. Daher ist der Mond für Schülergruppen ebenso
interessant, wie für Besuchergruppen. In der Forschung wird der Mond zwar als
weitgehend bekannt verstanden, doch der Beobachter wird den Mond nie exakt in
dem selben Licht sehen wie zuvor. Der Einfallswinkel des Sonnenlichtes variiert
immer wieder etwas, so daß sich mit der Zeit auch immer wieder neue
Perspektiven ergeben, die auch Aufschlüsse über die Mondformationen geben. Ob
bei älteren, kraterübersäeten Flächen oder bei
jüngeren, mit Lava gefüllten großen Becken, die auch als "Meere"
bezeichnet werden.
Trotz moderner Raumfahrttechnik
ist der Mond immer noch nicht vollständig kartografiert.
Erst mit der Sonde Clementine Ende der 90er Jahre wurde ein erst Ansatz
dahingehend wahrgenommen. So bleibt der Mond weiterhin im Blickpunkt der
Amateurastronomen, die als einzige den Mond regelmäßig beobachten.
Zu didaktisch sinnvollen Aufgaben
für Schüler gehört z.B. die Erfassung der Libration des Mondes wie auch
Höhenmessung von Kraterwällen auf dem Mond. Dies geschieht mit Hilfe des
Sonnenlichtes und den daraus resultierenden Schattenwurf. In der Zeit moderner
EDV kann man dies recht präzise am Bildschirm vornehmen, daher ist die
Bildgewinnung auch in der Amateurastronomie immer wichtiger geworden.
Bild: Mondmosaik
aufgenommen mit dem 7
Zoll Refraktor der JKS
Zur
leichteren Orientierung für Interessenten wie auch für öffentliche
Mondführungen ist es auch ein ehrgeiziges Ziel der JKS, einen Mondatlas mit
Hilfe von CCD-Aufnahmen zu erstellen. Diese Projekt
wird jedoch mehrere Jahre dauern, da der Mond in allen Phasen optimal
abgebildet werden muß. Ungünstige Wetterbedingungen können unter Umständen
dafür sorgen, das eine bestimmte Phasenstellung erst einige Jahre später wieder
optimal aufgenommen werden kann.
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5. Planetenbeobachtungen
Planetenbeobachtungen bilden einen weiteren Schwerpunkt in
den wissenschaftlichen Arbeiten der JKS. Planeten gehören zu den
Himmelskörpern, an denen am ehesten eine Veränderung wahrnehmbar ist. Die
professionelle Astronomie hat seit ca. 70 Jahren ihren Fokus eher auf die
Kosmologie und deren Aspekte gerichtet. So ist es eine wichtige Aufgabe der
Amateurastronomen, die Planeten regelmäßig zu beobachten und zu überwachen. Die
Ergebnisse werden von den Profiastronomen und Instituten, die sich, wenn auch
nur im begrenzten Umfange, mit Planeten beschäftigen gerne angenommen. Es hat
sich besonders bei den Planten Jupiter und Saturn eine gute Zusammenarbeit weltweit
etabliert, wo Amateure wertvolle Zuarbeit zu den Profis leisten. Die
Beobachtungen setzen viel Erfahrung voraus und kosten eine Menge an
freiwilliger Arbeitszeit, besonders die darauffolgende Bildverarbeitung und
Auswertung.
5.1 Jupiter-Opposition
Jupiter ist der größte Planet in unseren Sonnensystem und
ein Gasriese. Er wird von Amateuren seit gut 140 Jahren verfolgt. In vielen
Archiven gibt es über die Beobachtungsergebnisse Aufzeichnungen, die
statistisch ausgewertet werden. Eine immer noch ungeklärte Fragestellung ist
die Beschaffenheit der Atmosphäre Jupiters. Nur Langzeitanalysen können das
Verständnis über die Bewegungsdynamik der Bändersysteme und die darin
enthaltenen Flecken vertiefen. Mittels moderner Technik kann dies heute effektiver
als noch vor wenigen Jahren erreicht werden. Mit elektronischen Kameras werden
Bilder von dem Planeten gewonnen und am PC ausgemessen. Anhand der daraus
gewonnenen
Werte kann eine Statistik wie auch eine grafische
Darstellung der Bewegungsdynamik einzelner Objekte innerhalb der
Jupiteratmosphäre gewonnen werden. Dieses Projekt wird weltweit unter der
Bezeichnung JUPOS (Jupiter Positions-Datenbank, www.jupos.de)
betrieben, an dem sich auch die JKS beteiligt. Anhand dieser Daten werden auch
Missionen von Raumsonden gesteuert, auch die Galileo-Mission profitierte von
den Daten und konnte seine Kameras so präziser ausrichten.
Darüber hinaus werden Zeitereignisse der Jupitermonde erfaßt
(Bedeckungen) um die Bahnparameter der Jupitermonde weiter zu präzisieren. Auch
diese Daten werden an professionelle Institutionen weitergegeben.
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Bild:
Jupiter kam am 2. Februar 2003 in Oppositionsstellung zur
Sonne, seit dem wird er zunehmend auch in den Abendstunden ein gut
beobachtbarer Planet, der sich derzeit im Sternbild Krebs aufhält. Jupiter ist
wie Saturn ein Riesen-Gasplanet mit 12fachen Durchmesser der Erde. Er wird von mitlerweile über 40 entdeckten Monden begleitet, die
größtenteils als abgedriftete "Felsbrocken" aus dem Asteroidengürtel
eingefangen wurden. Mit unseren Mitteln sind jedoch nur die großen, klassischen
vier Galiläischen Monde zu sehen, die alle etwa die Größe unseres Erdmondes
haben. Einen davon, den äußersten Mond Kallisto,
sehen wir auf dem Bild gerade hinter dem Jupiter verschwinden. Die Monde haben
im Vergleich zum Erdmond eine sehr kurze Umlaufzeit von wenigen Tagen, ebenso
Jupiter, dessen "Tag" nur knapp 10 Stunden dauert. Daher auch die
streifige Formation seiner Wolkenoberfläche. Die Farben kommen von Methan-Anteilen
in der Jupiter-Atmosphäre, während Jupiter selbst hauptsächlich aus Wasserstoff
und Helium besteht. Aufgrund seiner hohen Masse wird der Wasserstoff in der
innersten Kernregion Jupiters zu einem metallischen Kern verdichtet, weshalb
Jupiter auch sehr starke Magnetfelder hat, die mit terrestrischen
Radioteleskopen leicht nachzuweisen sind.
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Bild:
Jupiter am 24.März 2003. Durch unruhige Luft sind diese
Aufnahmen deutlich weniger scharf. Klicken Sie auf das Bild, um es in voller
Größe zu sehen. Bemerkenswert sind aber die blauen "Girlanden" in der
Äquatorregion des Planeten. Diese werden durch Antizyklone gebildet.
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5.2 Saturn
Saturn ist nach Jupiter der zweitgrößte Gasplanet in unserem
Sonnensystem und dem Jupiter sehr ähnlich. Zudem hat er das größte und
ausgeprägteste Ringsystem, welches als einziges von der Erde aus direkt
sichtbar ist. Auf dem Saturn gibt es weniger Einzelheiten zu beobachen, doch auch hier interessieren auftauchende
Flecken, Verfärbungen und die Bändersysteme. Die Beobachtungen und Auswertungen
erfolgen analog zum Jupiter.

Bild:
Saturn am 11. Dezember 2002 um 21:15 Weltzeit. Das Bild ist
ein Summenbild aus 5 Einzelbildern, aufgenommen mit einer Philips-Webcam
740k (2UCamPro) am Starfire-Refraktor der JKS.
Saturn war am 17. Dezember 2002 in Oppositionsstellung zur
Sonne und konnte die ganze Nacht über beobachtet werden. Ab Ende Januar war er
auch in den Abendstunden gut zu beobachten. Saturn hat derzeit seine
größtmögliche Ringöffnung zur Erde mit 26,5°.
Außerdem hat der zweitgrößte Riesenplanet unseres Sonnensystems die
höchste Stellung am Tierkreis, zwischen den Sternbildern Stier und Zwillingen,
von der Nordhalbkugel aus gesehen erreicht. Damit steht der Saturn auch sehr
hoch am Himmel, was die Beobachtung erleichtert, da störende Einflüsse unserer
Erdatmosphäre hier weniger zum Tragen kommen.
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5.3 Mars
Mars ist der wohl interessanteste Planet in der
Öffentlichkeit, da er als erdähnlichster Planet gilt und daher auch schon viele
Fragen nach extraterrestrischen Leben geweckt hat. Obwohl mehr Raumsonden zum
Mars unterwegs waren und sind, als zu je einem anderen Planeten, überwachen
auch hier Amateure ständig mögliche Veränderungen auf dem Mars. Dazu gehören
Wolken, Sublimationsprozesse der Polkappen, Veränderungen der Albedostrukturen und mögliche Staubstürme, deren Hergang
und Entwicklung besonders interessieren. Auch hier sind die Betreiber von
Raumsondenmissionen für Informationen über mögliche Veränderungen auf dem Mars
dankbar. Im Rahmen internationaler Projekte findet eine Zusammenarbeit statt.
Dazu gehören auch Parallelbeobachtungen mit dem Hubble-Space-Teleskop.

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Bild (Mars20030802):
Mars, aufgenommen am 2. August 2003. Mittlerweile erreicht
der Planet annähernd seine maximale scheinbare Größe. Neben verschiedenen
Staubregionen unterschiedlicher Helligkeit ist auch die südliche Polkappe zu
sehen, die einige Lücken in Form kleiner dunkler Stellen aufweist. Am
nördlichen Rand (unten) ist atmosphärischer Dunst zu sehen, der eine
bläulich-violette Färbung hat. Am 287. August dieses Jahres wird Mars in
Opposition zur Sonne stehen und seinen größten scheinbaren Durchmesser wie auch
seine größte Nähe zur Erde seit über 2000 Jahren erreichen. Es trennen uns dann
„nur“ noch knapp 56 Millionen Kilometer von unserem äußeren Nachbarplaneten.
Das Besondere an der diesjährigen Oppositionsstellung ist daher, daß der Mars
dann eine enorme Helligkeit besitzt und deutlich größer erscheint, als in
sonstigen Oppositionen. Daher veranstaltet die Kepler-Gesellschaft am 23.
August 2003 – im Rahmen eines bundesweiten Tages der Astronomie – einen Tag der
offenen Tür der JKS. Dabei wird auch auf Ergebnisse des PUSH-Projekts
hingewiesen.
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6. Sternbeobachtungen mit der Öffentlichkeit
Das dritte Standbein der JKS und des PUSH-Projekts
sind öffentliche Führungen für das interessierte Publikum. Es ist von
allgemeinem Interesse, der interessierten Bevölkerung die Vorgänge des Kosmos
näherzubringen und sich daraus ergebende Fragen nach dem Stand der Wissenschaft
verständlich aufbereitet zu beantworten und zur Vertiefung der Kenntnisse über
die Zusammenhänge im Universum beizutragen.
Auf der JKS hat das Publikum die Möglichkeit, mit eigenen
Augen detailliertere Blicke in das Weltall tun zu können. Die Abendführungen
werde so gestaltet, das der Besucher auf eine Reise mitgenommen wird, ausgehend
vom Erdmond (sofern sichtbar) über die Planeten, dann Sternsysteme,
Sternhaufen, Nebel und zum Schluß die entfernteren Galaxien. Dabei werden die
gezeigten Objekte im Einzelnen erklärt und wie sie im kosmischen Zusammenhang
einzuordnen sind. Auch allgemeine Fragen zur Astronomie werden beantwortet.
Diese Führungstätigkeit setzt zum einen astronomische
Kenntnisse voraus, außerdem auch Kenntnisse in der Technik von Teleskopen und
deren sichere Bedienung und nicht zuletzt auch die Befähigung vor einem
Publikum selbstsicher aufzutreten und es didaktisch in astronomischen Fragen zu
unterrichten. Für Schüler, Jugendliche und Erwachsene, die eine solche
Tätigkeit ausüben wollen, ist dies ein längerer Lernprozeß in verschiedenen
wissenschaftlich-technischen Disziplinen.
Auch diese Aktivität ist ein zentrales Element des
vorliegenden PUSH-Projekts im Hinblick auf die
lebensnahe und praktische Vermittlung von Wissenschaft und moderner Technik.
7. Vortragsveranstaltungen für die
Öffentlichkeit
Beginnend mit dem unter Astronomen so genannten „First
Light“ der neuen Johannes-Kepler-Sternwarte (JKS) am 06. Juli 2002 und der
offiziellen Eröffnung der JKS für die Öffentlichkeit am 08. Oktober 2002 hat
die Kepler-Gesellschaft e.V. die folgende Vortragsreihe mit astronomischen
Schwerpunkten für die Öffentlichkeit durchgeführt:
06. 07. 2002: „Von Kepler bis Hubble – ein Streifzug durch den Kosmos“
Prof. Dr.
Hanns Ruder, Universität Tübingen
08. 10. 2002: „Eine Reise zum Anfang der Welt“
Prof. Dr.
Rudolf Kippenhahn, Universität Göttingen
20. 11. 2002: „Johannes Keplers Sphärenharmonie im Licht der modernen Astronomie“
Hartmut Warm, Hamburg
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13. 02. 2003: „Keplers Harmonie der Welt – Tonspuren aus dem Kosmos“
Prof. Dr. Volker Bialas, Kepler-Kommission der
Bayerischen Akademie der
Wissenschaften
09. 04. 2003: „Disharmonice Mundi – Symmetrieverletzungen im Universum“
Prof. Dr. Wagner, Universität Tübingen
26. 06. 2003: „Johannes Kepler als Erfinder“
Dr. Ernst Kühn, Reutlingen
Die Vorträge waren ausnahmslos alle sehr gut besucht.
Darüber hinaus hat die speziell für das vorliegende PUSH -
Projekt tätige Arbeitsgruppe „Amateurastronomen der JKS“ im Januar und Februar
2003 ein internes Seminarprogramm zu Beobachtungstechniken mit Teleskopen
durchgeführt. An den vier Seminarabenden nahmen auch Schüler teil.
9. Zusammenfassung und Ausblick
Mit dem Praktikum für Schüler der
Astronomie-Arbeitsgemeinschaft, den astronomischen Lehrveranstaltungen und
Beobachtungen mit Schülern (Sonnen-Flecken und -Protuberanzen,
Merkurtransit, partielle Sonnenfinsternis), den Mondbeobachtungen (u.a. der
Mondfinsternis), den Planetenbeobachtungen (Jupiter-Opposition, Saturn und Mars), den Sternbeobachtungen mit
der Öffentlichkeit, den astronomischen Vortragsveranstaltungen für die
Öffentlichkeit sowie der Vorbereitung eines astronomisch geprägten
Kinderferienprogramms für die Schulferien im Sommer 2003 wurden wichtige
Projekt-Aufgaben und -Ziele durchgeführt und erreicht.
Die Arbeiten des vorliegenden PUSH-Projekts
werden fortgeführt mit dem übergeordneten Ziel, das Interesse - vor allem der
jungen Generation - an Naturwissenschaft und Technik verstärkt zu wecken und
nachhaltig zu fördern. Dies geschieht am besten mit dem didaktischen Ansatz,
zusätzlich zu Schülern auch Erwachsene (vor allem Eltern) einzubeziehen und
modernste Technik einzusetzen, um die Motivation von Kindern und Jugendlichen
zu verstärken.
Das für die Physik und die Raumfahrttechnik grundlegende
Fachgebiet der Astronomie eignet sich dafür besonders gut.