ASTRONOMIE
"Kepler war kein Mörder"
Manfred Fischer, 71, Vorsitzender der Kepler-Gesellschaft
mit Sitz in Weil der Stadt, zu Mordvorwürfen gegen den Astronomen Johannes
Kepler.
SPIEGEL:
Im Buch "Der Fall Kepler" wird Kepler vorgeworfen, den Prager
Hofmathematiker Tycho Brahe vergiftet zu haben. Ist da was
dran?
Fischer: Es handelt sich um eine absurde
Giftmord-Story, die nicht einmal neu ist. Hier wird versucht, einen der
wichtigsten Begründer der neuzeitlichen Naturwissenschaften vom Sockel zu
stoßen. Es gibt keinerlei Beweise, dass Brahe überhaupt ermordet wurde,
erst recht nicht von Kepler.
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Buchtitel - Der Fall
Kepler | SPIEGEL:
Barthaare Brahes, die in den neunziger Jahren untersucht wurden,
enthielten viel Quecksilber.
Fischer: Das stimmt, ist jedoch
nicht überraschend. Brahe hat neben seinen astronomischen Forschungen
jahrzehntelang alchimistische Experimente durchgeführt. Dabei spielte
Quecksilber eine wichtige Rolle, das sich zum Beispiel in Haaren
anreichern kann. Auch quecksilberhaltige Medikamente hat Brahe
wahrscheinlich zu sich genommen, vielleicht sogar noch kurz vor seinem
Tod.
SPIEGEL: Die Autoren behaupten, Kepler habe ein
Mordmotiv gehabt: Er habe die Daten Brahes stehlen und für sich verwerten
wollen.
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Buchtipp
Joshua
und Anne-Lee Gilder: "Der Fall Kepler. Mord im Namen der
Wissenschaft". List Verlag, Berlin; 320 Seiten; 22
Euro. | Fischer: Es gibt
kein Mordmotiv für Kepler. Er verfügte bereits vor Brahes Tod über dessen
wichtigste Messdaten, zum Beispiel Brahes umfangreiche Marsdaten. Brahe
hat sie Kepler selbst übergeben, um die beobachtete große Abweichung des
Mars von der Kreisbahn von ihm untersuchen zu lassen. Brahe hat Kepler als
eine Art Gastwissenschaftler nach Prag eingeladen, weil er in ihm den
überragenden Theoretiker erkannte. Schon lange vor seinem Tod hat Brahe
Kepler sogar bei Kaiser Rudolf II. als seinen Nachfolger vorgeschlagen.
Mit diesen und anderen Fakten fällt die Mordhypothese wie ein Kartenhaus
in sich zusammen.
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